Mechthild von Alemann arbeitete als Bibliothekarin für eine amerikanische Unternehmensberatung. Die Bewunderung für eine politisch aktive Cousine und ihr Ärger über die damalige Schulpolitik des Landes Nordrhein-Westfalen brachten Mechthild von Alemann 1966 zur FDP. Zunächst engagierte sie sich als Bürgervertreterin und wurde dann zur Vorsitzenden des FDP-Ortsverbandes Düsseldorf-Nord und 1975 in den Landtag Nordrhein-Westfalen gewählt. Als Landtagsabgeordnete bereitete Frau von Alemann die FDP auf die ersten direkten Wahlen zum Europäischen Parlament vor, für das sie auf Platz 2 der Bundesliste kandidierte. In ihren zwei Amtszeiten im Europäischen Parlament (1979-1984 und 1989-1994) war sie stellvertretende Vorsitzende des Untersuchungsausschusses zur Situation der Frau in Europa, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion der Liberalen und Demokraten (1989-1994), Mitglied in den Ausschüssen für Energie und Forschung; Verkehr; Jugend, Kultur, Bildung, Information und Sport sowie den Delegation für die Beziehungen zu Jugoslawien und Albanien, Bulgarien und Rumänien. Heute lebt die ehemalige Europaabgeordnete in Belgien.

 

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SS: Was ist Ihre erste politik-geschichtliche Erinnerung?

 

MvA: Dass ich mich geärgert habe.

 

SS: Über wen oder was?

 

MvA: Damals über die Schulpolitik der Stadt Düsseldorf und des Landes NRW. Im Jahr 1966 hatte ich sozusagen mein politisches Erwachen, als ich begann, mich sehr für Schulpolitik zu interessieren. Obgleich ich nie Lehrerin gewesen bin. Ich stellte fest, es war alles nicht, wie es hätte sein sollen und da ich eine Cousine hatte, die damals im Landtag war – eine sehr kluge Frau – wandte ich mich an sie und sie meinte dann sollte ich doch mal in die FDP eintreten. Daraufhin gab es Krach mit dem Ehemann: „Meine Frau geht nicht in die Politik.“ Ja, und dann bin ich in die FDP eingetreten.

 

Ich wurde als Bürgerschaftsmitglied auch Mitglied der Ratsfraktion und die waren eigentlich alle sehr nett. Wir hatten damals einen Vertreter im Schulausschuss, der beschloss, ich müsse erst etwas lernen. Der hat mich als Vertreterin der Stadt Düsseldorf in den Schulausschuss geschickt und dann musste ich hinterher einen präzisen Bericht schreiben. Dabei habe ich endlos viel gelernt. Das war der Anfang.

 

SS: Was bewog Sie, ausgerechnet der FDP beizutreten?

 

MvA: Vielleicht sind Frauen mehr personenbezogen als Männer, aber ich kann wirklich nicht behaupten, dass mich das Programm der FDP so überwältigt hatte. Es war meine Cousine die mich beeindruckte. Meine Cousine hatte eine Meinung und machte auch eine tolle Figur im Landtag. Das fand ich aufregend. Und dann war es auch eine Herausforderung mit den Männern, denn ich war ja die erste Frau, die als Bürgervertreterin in der Ratsfraktion saß. Die Männer waren eigentlich immer sehr väterlich mit mir – was ich damals für ganz normal hielt, heute würde es mich ärgern. Aber damals war das eben so. Und dann bin ich einfach in die FDP reingewachsen, wie andere Leute meiner Generation. Es hat geholfen, dass ich selbst von Haus aus liberal war, meine Großmutter zum Beispiel war liberal während meine Eltern nie etwas dazu gesagt haben.

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