29. Februar - Die Rolle der OECD in der Weltwirtschaftspolitik

Nach Begrüßung durch Didrik Schaetzen (ALDE) und einer Einführung von Ellen Madeker für die AGE erläuterte der stellvertretende Generalsekretär der OECD, Stefan Kapferer, zunächst die Strukturen und Aufgaben der OECD. Im Nachgang zum Marshallplan für den Wiederaufbau Europas im Jahr 1960 gegründet hat die Pariser Organisation traditionell einen europäischen Schwerpunkt, ergänzt durch Nordamerika. Später kamen gewichtige Marktwirtschaften wie Japan hinzu, jüngst auch lateinamerikanische Staaten. Die große "Lücke" bestehe aber in Asien, auch wenn es mit China eine gute Kooperation gebe. Der russische Beitrittsantrag liege derzeit auf Eis.

Ihre traditionelle Aufgabe bestehe in der faktenbasierten Analyse von Wirtschaftsthemen und der Abgabe von Empfehlungen aufgrund von Länderberichten. Auch habe die OECD vergleichende Studien angefertigt, wie z.B. die Pisa-Studie für den Bildungsbereich, die von Ländern als Referenzrahmen genutzt würden. Unter Generalsekretär Gurria aus Mexiko sei die OECD aus ihrem Schatten getreten und werde außerdem verstärkt politisch wahrgenommen. Das komme zum Beispiel darin zum Ausdruck, dass die G20 oder die G7 Berichte von der OECD anforderten und den Generalsekretär zu ihren Treffen einlüden.

 

In der anschließenden von Frank Hoffmeister geleiteten Diskussion ging Kapferer sehr kompetent und offen auf zahlreiche Nachfragen ein. Er stellte fest, dass der Mehrwert der OECD im vergleichenden Ansatz liege, der auf bewährten Methoden und Feldforschung beruhe. Wenngleich einige Themen manchmal von einigen OECD-Ländern "gesetzt" würden, bestehe kein inhaltlicher Einfluss der Mitgliedstaaten auf die Forschungsergebnisse – diese Unabhängigkeit gelte auch in Bezug auf Unternehmen. Die Zusammenarbeit mit anderen internationalen Organisationen wie z.B. der WHO oder der WTO sei gut. Die EU-Kommission unterstütze die OECD ebenfalls durch zahlreiche Projektfinanzierungen (auch wenn die EU selbst nicht Mitglied der OECD ist).

 

Die OECD punkte nach wie vor mit der Qualität ihrer Empfehlungen – einen Sanktionsmechanismus gebe es aber nicht, wenn ein Land vom rechten wirtschaftspolitischen Pfad abweiche. Wichtig sei es allerdings aus liberaler Sicht, dass die OECD bei den Themenschwerpunkten und Modethemen weiterhin objektiv und faktenbasiert bleibe.

 

 

Ankündigung

 

Stefan Kapferer

Stellvertretender Generalsekretär der
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)

spricht zum Thema

Die Rolle der OECD in der Weltwirtschaftspolitik


am Montag, den 29. Februar 2016, 13.00 – 14.30 Uhr

ALDE Partei, Rue d'Idalie 11, Brüssel (6. Stock)

 

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist eine internationale Organisation mit 34 Mitgliedstaaten. Die meisten OECD-Mitglieder gehören zu den Ländern mit hohem Pro-Kopf-Einkommen und gelten als entwickelte Länder. Sitz der OECD ist Paris. Die Organisation will zu Wirtschaftswachstum, Beschäftigung und steigendem Lebensstandard in ihren Mitgliedstaaten ebenso wie zu einer Ausweitung des Welthandels auf multilateraler Basis beitragen.

 

Stefan Kapferer war von 2009 bis November 2011 Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit und von 2011 bis 2014 Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Seit Oktober 2014 ist er stellvertretender Generalsekretär der OECD.

 

Begrüßung: Jacob Moroza-Rasmussen, Generalsekretär der ALDE-Partei und Dr. Ellen Madeker, Vorsitzende der Auslandsgruppe Europa der FDP · Moderation: Prof. Dr. Frank Hoffmeister, Vorsitzender des AK Außen- und Sicherheitspolitik der AGE.

 

Ab 12.30 Uhr laden wir zu einem Sandwich-Lunch ein.

 

Diese Veranstaltung richtet sich ausschließlich an AGE-Mitglieder.

Um Anmeldung bitten wir unter: bruessel@fdp-europa.eu